Die Venus von Brassempouy (25.000 v. Chr.), Nationales Archäologisches Museum

Edouard Piette ist von Beruf Richter, aber gleichzeitig auch leidenschaftlicher Archäologe. Wenn er nicht im Gerichtssaal steht, ist er, unermüdlich, an einem prähistorischen Ort zu finden. Im Jahr 1894  unternimmt er im Alter von 70 Jahren seine letzte Ausgrabung in Brassempouy, einem Dorf in den Landes. Er war sich dabei wohl nicht bewusst, dass er in der „Grotte du Pape“ (Höhle des Papstes) diejenige entdecken würde, die zu einer Weltikone der paläolithischen Kunst avancieren sollte.

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Mai ’68

Welche Bilder von den Ereignissen im Mai 1968 sind uns im Allgemeinen in Erinnerung? Studenten, die Polizisten die Stirn bieten, fliegende Kopfsteinpflaster und Barrikaden usw. Es wird aber oft vergessen, dass der Studentenaufstand von einer mächtigen Protestbewegung der Arbeiter begleitet wurde, denn am 24. Mai 1968 erklärten sich beinahe 10 Millionen von ihnen zu Streikenden. Daraufhin war ganz Frankreich wie gelähmt! Während sich die Bahnhöfe und Flughäfen leerten, sammelte sich der Müll überall in den Straßen und auf den Plätzen, weil ihn die Müllarbeiter nicht mehr abholten.

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Die Schmiede, Louis Le Nain (um 1640), Le Louvre

Die Malerei des 17. Jahrhunderts porträtiert gerne das tüchtige Volk, zum Beispiel Bauern und Handwerker. Diese Tradition kommt zuerst in der niederländischen und flämischen Malerei zum Ausdruck, wo wir Schmiede, Schlosser, Weber und Metzger sehen, die sich auf ihre mühevolle Arbeit konzentrieren. (Siehe die Stiche Jan Joris Van Vliet). Die Begeisterung für diese Art der Genre-Malerei verbreitete sich in ganz Europa: In Spanien malte Diego Velasquez um 1630 beispielsweise „La Forge de Vulcain“. In Frankreich sind es vor allem die Brüder Le Nain, die dieses einfache, tägliche Leben der kleinen Leute porträtieren und „La Forge“ ist eines ihrer größten Meisterwerke.

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Der Verrat der Bilder (1928-29), Öl auf Leinwand, 59 x 65 cm, Los Angeles County Kunstmuseum

Der wohl der berühmteste Satz in der Kunstgeschichte, „Dies ist keine Pfeife“, steht auf dem Bild unter der Zeichnung des Gegenstandes, der doch unserer Wahrnehmung nach eine Pfeife ist. Wie kann Magritte dem widersprechen, was wir vor Augen haben? „Wer könnte die Pfeife meines Gemäldes rauchen?“ fragt der surrealistische Maler und beantwortet sich die Frage selbst: „Niemand. Dann ist es also keine Pfeife „.

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Triumph des Bacchus (1655), Michaelina Wautier, Kunsthistorisches Museum

Dieser fast nackte Mann in der Mitte der Leinwand zieht alle Blicke auf sich … Und doch hätte er niemals dort sein dürfen, denn bis ins 20. Jahrhundert  war es für eine Frau nicht angebracht, etwas anderes als Porträts uns Stillleben zu malen. Mit der Darstellung dieser mythologischen Szene in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts verstieß die Brüsseler Künstlerin Michaelina Wautier gegen mehr als ein Verbot: Sie griff nicht nur das Historienbild, das edelste Genre, an, sondern malte auch männliche Nacktheit … Was vor ihr noch keine Frau gewagt hatte!

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Muschel, aus der eine Hand herauswächst (1934), Dora Maar

Dora Maar ist vor allem als Muse und Geliebte von Pablo Picasso bekannt. Der Maler fertigte von ihr mehrere Portraits, unter anderem La Femme qui pleure (1937) an. Hinter jener Beziehung blieb die Künstlerin Dora Maar allerdings meist verborgen, obwohl sie bis heute eine der größten surrealistischen Photograph_innen ist. Nach ihrem Kunststudium widmet sich Dora Maar der Photographie, einer in den 30er Jahren sehr modernen Kunst- und Ausdrucksform, die auch schnell lukrativ für sie war.  Bereits in jungen Jahren fotografiert Dora Maar die Straßen von Paris und zeigt schon früh eine surrealistische „Sensibilität“. Mit ihrer Kamera fängt sie den bizarren, magischen oder absurden Charakter von scheinbar banalen Situationen ein.

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Gargantua, Honoré Daumier

Im August 1932 wird der Karikaturist Honoré Daumier ins Gefängnis geworfen. Er muss dort sechs Monate absitzen und außerdem 500 Francs Strafe zahlen. Das Regime von König Louis Philippe (1830 – 1848) wirft ihm vor, eine Serie von Karikaturen gegen den Souverän hergestellt zu haben. Die Lithographie Gargantua ist eine davon. Diese Zeichnung war am 16. Dezember 1831 in der Zeitung der republikanischen Opposition, La Caricature, erschienen. Was ist darauf zu sehen ?

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Sarah Bernhardt, Felix Nadar, 1865

Ihr Antlitz ist uns zugewandt, aber sie selbst schenkt uns keine Beachtung. Nachdenklich, melancholisch, leidenschaftlich ist ihr Blick auf ein  geheimnisvolles Anderswo fixiert. Sarah Bernhardt scheint hier in einer Theaterszene zu spielen, gequält von einem Liebesdrama, von einem bestimmten, finsteren und großartigen Schicksal aufgezehrt. Aber nichts davon ist der Fall. Die Schauspielerin posiert hier im Pariser Atelier von Felix Nadar, dem brilliantesten französischen Fotografen des 19. Jahrhunderts. Er ist für seine Portraits berühmter Persönlichkeiten seiner Zeit bekannt, unter anderem derjenigen von George Sand, Alexander Dumas, Victor Hugo, Auguste Rodin, Charles Beaudelaire. weiterlesen „Sarah Bernhardt, Felix Nadar, 1865“

Die Büste « Goethe », Pierre-Jean David, genannt David von Angers

Unter den seltenen Porträts von Goethe ist dieses dasjenige, das eine breite Textproduktion nach sich zog. Es wurde vom Bildhauer David d’Angers geschaffen, der für seine Porträts großer zeitgenössischer Persönlichkeiten bekannt ist. Fasziniert von der deutschen Romantik machte er Goethe zu seinem absoluten Idol. Vom Wunsch getragen, das Profil Goethes in einer Skulptur zu verewigen, reist der Künstler nach Weimar, wo Goethe seine Bewunderer zu empfangen pflegt. weiterlesen „Die Büste « Goethe », Pierre-Jean David, genannt David von Angers“

Der Knabe mit dem Kreisel (1738), Jean Siméon Chardin

Im Jahrhundert der Aufklärung erwecken Kinder und ihre Erziehung die Aufmerksamkeit der Philosophen und der Künstler. Jean Siméon Chardin widmet ihnen mehrere Gemälde, darunter auch jenes, welches um 1738 gemalt wurde. Er ist der Erste, welcher mit einem solch ausgeprägten Scharfblick die Psychologie des Kindes und dessen Welt- bestehend aus Fantasie und Sorglosigkeit- erfasst und malt.
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